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Brauchen wir Erdbeeren aus Island?

Na wie wäre es denn, mal Erdbeeren aus Island zum Weihnachtsessen als Nachtisch. Dazu passt ein guter Weißwein aus dem schottischen Norden. Illusion? Utopie? Keineswegs, die rapid zunehmende globale Erwärmung unseres blauen Planeten macht es möglich. Man mag solche Zeitungsmeldungen heute noch lustig finden, stünde dahinter nicht die Gefahr eines Kollapses der Existenzgrundlagen der Menschheit. Noch gibt es Menschen die sich um die Schönheit des Taunuskammes sorgen, statt sich der Sorge um die Zukunft der Menschheit anzuschließen. Wir, die Naturfreunde, sind die Spaßbremsen, weil wir gegen den sorglosen Verbrauch fossiler Brennstoffe, gegen immer grösser werdende Autos und exotischere Essgewohnheiten sind. Kurz: unsere Lebensgestaltung ordnet sich immer mehr der Philosophie unter, alles muss zu jedem Zeitpunkt in der gewünschten Menge zur Verfügung stehen.

Dass ein solches Verhalten immer mehr CO2 erzeugt, das sich weiterhin in der Atmosphäre anreichert und damit für die Zunahme der durchschnittlichen Erdtemperatur sorgt, müsste jedem leidlich intelligenten Menschen klar sein. Dennoch, solange Menschen nicht direkt selbst betroffen sind, scheinen diese sich in ihrer Wahrnehmung an eine naive Sicht der Entwicklung zu klammern.

Seit den Konferenzen in Rio 1992, Kyoto 1997, Bali 2007, Kopenhagen 2009, Durban 2011, hat sich die Aktivität der Weltgemeinschaft in mehr oder weniger unverbindlichen Absichtserklärungen erschöpft. Dies soll nun in diesen Tagen anders werden. Die UN hat zum Klimagipfel 2015 geladen. Mehr als 150 Staatschefs sind persönlich angereist um einen Durchbruch in der bisherigen Klimapolitik zu erzwingen. Wir Naturfreunde sagen, höchste Zeit, denn objektive Studien belegen, dass es kurz vor 12 ist. Galt das frühere Ziel, die Erderwärmung auf 2 Grad bis 2050 zu begrenzen, so gehen Experten heute von der Begrenzung auf maximal 1,5 Grad aus. Wohlgemerkt, nur um die befürchteten Auswirkungen technisch beherrschbar zu halten. Bereits jetzt saufen im Pazifik erste Inseln ab, müssen Menschen umgesiedelt werden, nehmen Wetterextreme zu, Stürme werden stärker, Regenfälle und gleichzeitige Dürrekatastrophen verstärken sich und verschieben sich in gemäßigte Zonen. Es bleibt nicht bei den geschützten Gebieten. Die Zunahme der Extreme wird alle Gebiete der Erde betreffen.

Natürlich erwischt es die dritte Welt wie bisher immer zuerst. Aber die Ursachen liegen vor allem im Verhalten der etablierten Industriestaaten. Betrachten wir den Ausstoß von CO2 pro Kopf und Jahr , so schlagen zum Beispiel in Uganda ca. 0,9 t, BRD ca. 10 t, USA ca. 20 t, zu Buche. Hier wird schon deutlich, wo die Ursachen liegen und damit wird auch klar, an wen die größten Erwartungen zu richten sind. Dass die Schwellenländer, wollen sie europäische Standards erreichen, ihre Emissionen steigern werden, wird wohl unvermeidlich sein. Aber selbst China und mehr und mehr auch Indien haben erkannt, dass ein weiter so in der Wirtschaft nicht mehr möglich sein wird. Andererseits muss sich US Präsident Obama für sein, eher bescheidenes Einsparprogramm mit Hilfe seines Veto gegen die republikanischen Abgeordneten durchsetzen. Von Einsicht sind wir daher noch weit entfernt. Aber auch der selbst ernannte Musterknabe der europäischen Union, die Bundesrepublik, hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. So ist unser Wirtschaftsminister Siegmar Gabriel vor der mächtigen Kohleindustrie in die Knie gegangen. Da werden großspurig Anstrengungen anderer Staaten eingefordert und gleichzeitig die Subventionsdauer schmutziger Kohlekraftwerke verlängert. Die deutsche Industrie verkauft ihre modernere Technologie der Kohleverstromung ins Ausland und steigert damit die Anzahl von Kohlekraftwerken weltweit und das vor allem in Staaten wie Griechenland und südlichen Ländern, in denen der Ausbau regenerativer Energie die zukunftsträchtigere Investition wäre. Nach wie vor ist Kohleverstromung trotz neuer Technologie und Filtertechnik die Hauptursache für CO2 Verschmutzung. Vertreten wird die BRD in Paris durch Barbara Hendricks, Umweltministerin, aber auch Naturfreundemitglied. Von ihr erwarten wir eine offensive Umgehensweise mit der Festschreibung verbindlicher Klimaziele statt lauwarmer Kompromissformeln. Ein großer Teil der Staatsoberhäupter hat sich zur Unterzeichnung des Schlussdokuments angesagt. Das werden die verbindlichen Klimaentwicklungsziele der nächsten Jahre sein. Wir hoffen, dass sich Vernunft und Weitsicht durchsetzt.

Wir Naturfreunde werden weiter daran arbeiten, dass sich diese Gesellschaft ändert. Wir brauchen andere Lebensbedingungen, denn ungehemmtes Wirtschaften zerstört unseren Planeten. Wir schützen unsere Wälder und Moore, denn sie sind große CO2 Speicher. Wir schützen unsere Meere, denn sie sind Lebensgrundlage. Und wir fordern eine andere Entwicklungspolitik, die den anderen Völkern Teilhabe sichert.

Arno Enzmann