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Rückblicke
Unsere Zeit braucht NaturFreunde
Nachhaltigkeit darf kein Plastikwort sein, das beliebig interpretiert wird. Nachhaltigkeit bedeutet, Verantwortung übernehmen auch für künftige Generationen. Kampf gegen die maßlose Gier nach schnellen Gewinnen. Menschen, die gestalten statt alles hinzunehmen. Unsere Geschichte ist von diesen Ideen, den Ideen der Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, geprägt. Und wir waren stets gegen Krieg und Gewalt, immer auf der Seite von Frieden und Demokratie. Vernunft, Aufklärung und Fortschritt heißt "soziale Demokratie", besser noch "demokratischer Sozialismus". Wir haben uns stets abgegrenzt von der postliberalen Anpassung an wirtschaftliche Zwänge und von einem autoritären Zentralismus. Gegen beide Irrwege setzen wir die Idee der sozialen Emanzipation, der Befreiung des Menschen aus Abhängigkeiten, Voraussetzung für eigene Freiheit und Verantwortung für die Gesellschaft. Die zeitgemäße Umsetzung der sozialen Demokratie heißt Nachhaltigkeit. Jede Zeit, so Willy Brandt, braucht neue Antworten, ohne erreichte soziale Errungenschaften und kulturelle Werte über Bord zu werfen. Heute verändert sich die Welt radikal. Der Klimawandel schreitet scheinbar unaufhaltsam voran. Energie und Rohstoffe werden knapp und teuer, sogar Ressourcenkriege drohen. Und schließlich verschiebt sich die Architektur der Welt in Richtung Süden. Zugleich droht der Weltwirtschaft eine schwere Rezession, die von der amerikanischen Immobilienkrise ausging, die Automobilbranche erfasst hat und massenhaft Kreditkarten überzeichnen ließ. Schon über 40 Prozent der Weltwirtschaft, die USA, Japan, Großbritannien, Spanien oder Irland, sind in einem Abwärtsstrudel. An den Börsen platzt erneut eine Blase des Marktradikalismus. Von daher stellt sich eine doppelte Aufgabe: Zum einen muss Nachhaltigkeit zur Leitlinie der deutschen, europäischen und globalen Politik werden, um einen neuen Fortschritt möglich zu machen. Zum anderen ist mehr denn je internationale Solidarität erforderlich, um die einseitige Machtkonzentration zu brechen, die der Welt immer eine Grippe beschert, wenn Washington hustet. Unsere Gesellschaft braucht die NaturFreunde, weil wir uns für die Idee der Nachhaltigkeit einsetzen, sie vorleben und umsetzen. Feste Prinzipien haben. Für ein besseres Leben kämpfen und glaubwürdig sind. Weil wir das auch so meinen, was wir sagen.
Wir können stolz darauf sein, die Idee der Nachhaltigkeit schon immer vertreten zu haben. Andere Verbände mögen, weil sie spektakulär, aber auch einseitig auftreten, mehr Erfolg gehabt haben. Doch in der Sache bieten wir mehr. Dieses Zeichen muss unser Bundeskongress setzen, dann sind wir ein Verband mit Zukunft.
Quelle: Naturfreundin, Ausgabe 1-2008 |
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