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Nicht die Asche bewahren-
sondern die Flamme am Brennen halten !
Die NaturFreunde in Wiesbaden im 100. Jubiläumsjahr
Ja, es gibt Ziele die zu verwirklichen sind. Ja, es gibt Aufgaben denen sich die NaturFreunde stellen und stellen müssen. Nein, die NaturFreunde sind trotz des hohen Alters kein nur angestaubter Wanderverein. Das Leitbild der Wiesbadener NaturFreunde ist nicht nur ein Lippenbekenntnis, es fußt auf den alten politischen Wurzeln, ist aber dennoch politisch hochaktuell.
Die NaturFreunde wurden 1895 von Georg Schmiedl in Wien gegründet. 1905 erfolgte die Gründung in Deutschland und schon 1912 folgte die erste Gründung in Wiesbaden aus gutem Grund. Die Erfahrungen der Industrialisierung, die elenden Lebens- und Arbeitsbedingungen und der schlechte Gesundheitszustand der Bevölkerung waren die Triebfeder, um sich Teilhabe an einer besseren Lebensqualität zu erkämpfen. Kein Wunder also, dass die NaturFreunde aus der organisierten Arbeitnehmerbewegung entstanden sind. Sie stehen damit in der Tradition demokratischer Sozialisten, der Gewerkschaften, der Arbeitersportvereine und der Arbeiterbildungsvereine, die durch die Sozialistengesetze Bismarcks im deutschen Kaiserreich stets unterdrückt wurden. 8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Schlaf, 8 Stunden Freizeit und Bildung waren auch für die NaturFreunde die populären Forderungen nach Humanisierung der Arbeits- und Lebensbedingungen. So waren damals der 10-12 Stunden Arbeitstag der Normalfall, die Arbeitsumstände menschenfeindlich, Erholung oder gar Bildung waren kaum möglich, das tägliche Leben war der Erhaltung der Arbeitskraft untergeordnet.
Das solche Mängel am besten durch den Bau eigener Häuser, wenn möglich in stadtferner Lage in Wäldern, Bergen oder Seenähe entgegen gewirkt werden konnte, war nur logisch, zugleich aber schwierig. Die gesellschaftlich zementierten Besitzverhältnisse ließen den Bau solcher Häuser nur selten zu. Trotzdem, die NaturFreunde haben es mit großer Zähigkeit geschafft, nicht nur zu überleben, sondern auch zu leben. Auch das Verbot durch die Nazis, verbunden mit der Enteignung des Vereinsvermögens und der Häuser, dokumentiert die politisch fortschrittliche Haltung der NaturFreunde. Dies zeigt sich auch darin, wer Mitglied der NaturFreunde war. Dazu gehört Georg Elser, der durch sein Attentat auf Hitler den Krieg verhindern wollte. Oder Ernst Reuter und Willy Brandt, entscheidende Persönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte, oder der leider viel zu früh verstorbene Hermann Scheer, der uns in Umweltfragen so schmerzhaft fehlt.
Schon früh haben die NaturFreunde erkannt, dass nur gerechte und demokratische Arbeits- und Lebensbedingungen die grenzenlose wirtschaftliche Ausbeutung von Mensch und Natur verhindern können. So beschloss der internationale NaturFreunde Kongress schon 1972 in Genf: „Alle ökonomischen Maßnahmen sind ökologischen Notwendigkeiten unterzuordnen“. Darin erklärt sich auch unser Signet: Drei Alpenrosen und darunter der Handschlag, wie es im Lied heißt: „ein Lächeln, Mühen vergessen“. Die wichtigste Botschaft im Gruß, „Berg frei“.
500 000 Mitglieder in fast 30 Ländern und europaweit 1 000 Naturfreundehäuser machen die NaturFreunde zu einer der wichtigsten NGOs (Nichtregierungsorganisation) weltweit. Mit diesen Pfunden kann man wuchern. Wir nennen uns heute: Verband für Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur. Dahinter stehen der politische Einsatz für eine friedliche, gerechte und lebenswerte Welt. Erinnert sei an: Ostermärsche, Anti AKW-Bewegung und die Verankerung des Nachhaltigkeitsprinzips. Dies sind Werte, die wir unserer Jugend, Kindern und Enkeln weiter vermitteln können und müssen. Wer mich heute fragt, was ich bei den NaturFreunden will, dem kann ich sagen: „Mit guten Freunden neue Wege gehen.“
Arno Enzmann
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